19.02.2012 – Retter der Empörten

Occupy - Retter der Empörten

Wenn sich Finanzhaie, Spekulanten-Heuschrecken und Bankster zu lasten der Bevölkerung fett fressen, wenn Merkel als Finanzdomina der EU die Sparknute schwingt, wenn angeblich kein Geld für Bildung, Soziales und Kultur da ist, weil man es den feisten Geldsäcken geben muss – dann schlägt die Stunde für die…

Retter der Empörten!

Sie spannen ihren Rettungsschirm gegen die korrupten Berliner Knallerbsen und für alle Puffbohnen, sie laden ein ins Rettungsboot der Solidarität, sie ziehen an der Rettungsleine des „Jetzt reicht es!!!“, sie spannen sich vor den Rettungswagen der Demokratie.

„Besser feiern mit Occupy Thüringen“ oder „Fasching in Erfurt“

Am Faschingsumzug in Erfurt wollte sich Occupy Thüringen in diesem Jahr beteiligen. Nach erfolgreicher Anmeldung machten sich also die Mitglieder der Bewegung an die Arbeit, um auch ihren Teil am bunten Spektakel des närrischen Volkes leisten zu können. Geplant waren T-Shirts mit dem Namen Occupy und ein Bollerwagen als „RETTUNG“ „WAGEN“ und ein Kanu zum „Lobbyisten-ausbooten“ mitzunehmen. Vorangehen sollte eine als Merkel verkleidete Finanzdomina mit einer „Steuerknute“ die einem verkleideten „Volk“ das letzte Hemd ausziehen will. Natürlich gab es auch Unmengen von Süßigkeiten und anderem Wurfmaterial.

Allerdings sollte es Schwierigkeiten geben. Messerscharf identifizierte jemand aus dem Organisationskomitee bereits im Vorfeld den Antragsteller als Anmelder des Occupy-Aufzuges „Viele Kerzen für die Demokratie“ im Januar. Erstaunlich, wie die Informationen in der Stadt vom Ordnungsamt zum privaten Karnevalsverein fließen. Vermutlich führte diese Art von Informationsfluss dazu, dass fünf(!!) Tage vor dem Umzug dann auch eine offizielle Ausladung erfolgte. Als Begründung, so man das verklausulierte Kauderwelsch als solches verstehen durfte, wurde die politische Ausrichtung der Gruppierung genannt. Welche Aussage während des Umzuges getroffen werden sollte, war nicht von Belang und wurde auch nicht von Seiten des durchführenden Vereines erfragt. Einzig die Tatsache, dass es eine „politische“ Gruppierung sei, war für die Ausladung relevant. Schließlich nähmen die Junge Union und die Jusos auch nicht teil.

Was für eine Farce passiert denn hier in Erfurt? Erst wird vor zwanzig Jahren den eingesiedelten Westimporten an der Staatsspitze des Freistaates ein Faschingsumzug angebiedert, dann wird er seiner ursprünglichen Aussagekraft – er fiel ob seiner politischen Aussagen in den sechzigern des vorigen Jahrhunderts der Zensur zum Opfer – beraubt. Jetzt sind es nicht die „bösen“ Kommunisten, die zensieren, sondern der „freie“ und unpolitische Gemeinschaft Erfurter Carneval e.V.. Abgesehen davon gab es den überwiegend rein kommerziellen Umzugswagen. Auf diesen war außer der Werbebotschaft des betreffenden Unternehmens keine weitere Aussage zu sehen. Zwei, drei politische Inhalte beim Umzug, u.a. fast themengleich zu der von Occupy Thüringen geplanten, mehr gibt es beim Erfurter Festumzug nicht mehr.

Nun gut, die T-Shirts waren bereits gesprüht, Transparente gemalt, zu schade, sollte dies für nichts und wieder nichts gewesen sein. Also am Sonntag um 13:00 Uhr umgezogen, Wagen und Boot geschnappt und los zum Anger. Es wäre doch gelacht, im wahrsten Sinne des Wortes, ließe sich nicht spontan irgend etwas damit anstellen. Neudeutsch heißt dies „Flashmob“. Die sich einfindenden Närrinnen und Narren sahen den Aufzug neben dem Aufzug mit sichtlichem Humor. Einige beteiligten sich an einer kleinen Aufführung indem sie in die Rolle des „Volkes“ schlüpften, dem das letzte Hemd ausgezogen wird. Immerhin bis auf Höhe Nerly konnte so ungestört rumgealbert werden. Selbst die Flyerverteilung an der Hauptbühne am Rathaus, das eigentliche Hauptanliegen der Aktion, konnte durchgeführt werden. Dann kam eine Polizistin, die sich nach den Hintergründen der Aktion erkundigte. Nun ja, selbstverständlich hatten die „Flashmobber“ auch ein Plakat „Wir dürfen nicht mitspielen“ dabei. Denn glücklicherweise waren ja doch fünf Tage zwischen Absage und Beginn des Umzuges.

Am Domplatz war dann Schluss mit dem närrischen Treiben der „Occupies“. Zwei Beamte forderten – aufgrund der Maskierung, zu Fasching – nachdrücklich das Ende der Aktion, oder eine Anmeldung als Demonstration. Welche natürlich vor Ort nicht genehmigt würde. Also trollten sich die so von der recht ernsten Staatsmacht Bedrängten. Immerhin eineinhalb Stunden hatte man seine Aktion durchführen können und sein Anliegen den Versammelten nahebringen können. Gelernt hat man u.a. von den Informationsflüssen in der Stadt und das Bewusstsein, nächstes Jahr auf jeden Fall wieder mit von der Partie zu sein, um munter durch den Umzug zu rocken.

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